Prof. Dr. Ariane Martin

Martin-Ariane
Vita

1960geboren in St. Blasien
19851. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien (Universität Marburg), „mit Auszeichnung“
1988 bis 1990 Promotionsstipendiatin der Hessischen Graduiertenförderung
1989 bis 2002 Lehrbeauftragte an den Universitäten Marburg, Kassel, Darmstadt
1992Promotion (Universität Marburg), „summa cum laude“
1993 bis 1994Forschungstipendiatin der Fritz Thyssen-Stiftung
1995 bis 1998Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der „Forschungsstelle Georg Büchner – Literatur und Geschichte des Vormärz“
1999 bis 2001Assistenzvertretung am Fachbereich Germanistik der Universität Kassel
2002Habilitation (Universität Kassel)
SS 2002Vertretungsprofessur im Fach Neuere deutsche Literaturwissenschaft / Vergleichende Literaturwissenschaft am Fachbereich Germanistik der Universität Kassel
seit WS 2002/2003Professorin für Neuere deutsche Literaturgeschichte mit kulturwissenschaftlicher Ausrichtung am Deutschen Institut des Fachbereichs 05 der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Forschungsschwerpunkte

Arbeitsschwerpunkte vom Sturm und Drang (J. M. R. Lenz, der junge Goethe, Genieästhetik) über den Vormärz (Georg Büchner) bis zur frühen und klassischen Moderne (Naturalismus, Fin de siècle, Kulturgeschichte der Weimarer Republik, Heinrich Mann, Frank Wedekind, Irmgard Keun), Literaturwissenschaft als Kulturwissenschaft, Gender Studies, Materialität und Medialität, Geschichte der Literaturgeschichtsschreibung, Editionsphilologie


Veröffentlichungen

Universitätsbibliografie


Fragebogen

Welche Bibliothek hat Sie bei Ihrer Arbeit in ganz besonderer Weise unterstützt oder Ihr Bild von Bibliotheken geprägt?

Eigentlich alle Bibliotheken, in denen ich gearbeitet habe.

Welche Online-Angebote schätzen Sie in Ihrer wissenschaftlichen Arbeit außerordentlich?

Ich schätze zum Beispiel den KVK, in letzter Zeit speziell wegen der Digitalisate historischen Materials vor allem Zefys, die Seite zu den Magazinen der Klassischen Moderne, ÖNB anno, Gallica, Delpher, Periodika, um nur einige zu nennen.

Welche Bücher haben Sie und Ihr Forschungsinteresse nachhaltig beeinflusst oder Ihnen neue Perspektiven für Ihre Arbeit eröffnet?

Das waren nicht nur Fachbücher im engeren Sinn, sondern eher sogar Bücher, die unmittelbar gar nichts mit den aktuell bearbeiteten Themen zu tun hatten, bis hin zu Romanen (zum Beispiel Heinrich Manns Der Untertan, Siegfried Kracauers Ginster, W. G. Sebalds Austerlitz), die zündend für Ideen oder längerfristig wirkten. Ich erinnere mich etwa an Roland Barthes’ Mythen des Alltags, an Susan Sontags Kunst und Antikunst oder an Wolfgang Schivelbuschs Genussmittelgeschichte Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft, aber diese Lektüren liegen lange zurück. Sicherlich wichtig waren auch Walter Benjamins geschichtsphilosophische Thesen Über den Begriff der Geschichte, die ich zuerst in den Illuminationen gelesen habe, oder Stephan Greenblatts Verhandlungen mit Shakespeare (das englische Original hat den treffenden Untertitel „The Circulation of Social Energy in Renaissance England“). Nicht ganz so lange her ist die Lektüre von Greenblatts Buch Die Wende (der Untertitel „How the World Became Modern“ auch hier treffender als in der deutschen Übersetzung) über die Wiederentdeckung von Lukrez’ De rerum natura. Vielleicht waren diese und andere Bücher für mich deshalb anregend, weil ich mich seit ich denken kann für kulturwissenschaftliche Fragen und kulturgeschichtliche Themen interessiere.

Welche Arbeiten Ihrer Studierenden haben Sie besonders neugierig gemacht?

Arbeiten, die gut fundiert unkonventionelle Sichtweisen wagen.

Welche wissenschaftlichen Studien müssten Ihrer Meinung nach dringend noch geschrieben werden?

Da Erkenntnisse historisch variabel ausfallen und auch die Fragestellungen der Veränderung unterworfen sind, gehe ich nicht von einem endlichen Pool an Themen aus, die quasi abgearbeitet werden könnten.

Welche wissenschaftliche Arbeit hat Sie zuletzt nicht schlafen lassen?

Immer die, an der ich gerade sitze.

Wie würde ein Roman heißen, den Sie gerne schreiben würden?

Ich möchte keinen Roman schreiben.

Hören Sie Musik bei Ihrer wissenschaftlichen Arbeit; wenn ja, welche?

Nein.

Wie sieht die Bibliothek Ihrer Träume aus?

Die Bibliothek als „ein dem Menschen gemäßes Universum“, wie Umberto Eco sie am Schluss seiner Broschüre Die Bibliothek (München, Wien: Hanser 1987) als Gegenbild gegen den Alptraum von einer Bibliothek gestellt hat, den er, an Jorge Luis Borges’ Erzählung Die Bibliothek von Babel anknüpfend, kommentiert hat.