Prof. Dr. Elisabeth Oy-Marra

Prof. Dr. Elisabeth Oy-Marra - Bücherspuren
Vita

1959geboren in Gelnhausen
1978 bis 1985 Studium an der Johann-Wolfgang -Goethe-Universität in
Frankfurt am Main, Fächerkombination: mittlere und neuere
Kunstgeschichte, klassische Archäologie und Philosophie
1986 bis 1987 DAAD – Auslandstipendium
1988 bis 1989 Dissertationsstipendium der Graduiertenförderung des Landes Hessen
1990Promotion an Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, Thema: „Florentiner Ehrengrabmäler der Frührenaissance“
1991 bis 1996 Wissenschaftliche Assistentin am Kunsthistorischen Institut in Florenz
1996 bis 2004Wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl II für neuere und neueste Kunstgeschichte der Otto-Friedrich-Universität Bamberg
2002Habilitation im Fach Kunstgeschichte, Thema: „Profane Repräsentationskunst in Rom von Clemens VIII. Aldobrandini (1592 – 1605) bis Alexander VII. Chigi (1655 - 1667). Studien zu Funktion und Semantik römischer Deckenfresken im höfischen Kontext.”
2003Verleihung der Lehrbefugnis für das Fach Kunstgeschichte
2004Ernennung zur Professorin für Kunstgeschichte an der Johannes-Gutenberg- Universität Mainz
2006 bis 2014Vertrauensdozentin der Studienstiftung des Deutschen Volkes
2008 bis 2011Dekanin des Fachbereichs 07 Geschichts- und Kulturwissenschaften der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

Forschungsschwerpunkte

- Malerei und Skulptur der Frühen Neuzeit

- Kunstliteratur insbesondere Künstlerbiografik

- politische Ikonographie

- symbolische Kommunikation

- Kunsttransfer Rom–Paris

- Kunst und Wissensgeschichte


Veröffentlichungen

Universitätsbibliografie


Fragebogen

Welche Bibliothek hat Sie bei Ihrer Arbeit in ganz besonderer Weise unterstützt oder Ihr Bild von Bibliotheken geprägt?

Die Bibliothek des Kunsthistorischen Instituts in Florenz (heute Max-Planck-Institut). Diese Bibliothek ist spezialisiert auf italienische Kunstgeschichte und bietet einen Präsenzbestand von heute 290.000 Bänden zu denen noch 2600 Periodica hinzukommen. Als ich von 1991 bis 1996 dort wissenschaftliche Assistentin war, hatte ich mein Zimmer -wie alle anderen Mitarbeiter auch- innerhalb eines der Bibliotheksräume. Hier habe ich gelernt, Bücher als Dialogpartner aufzufassen.

Welche Online-Angebote schätzen Sie in Ihrer wissenschaftlichen Arbeit außerordentlich?

Ich schätze den Dokumentendienst der Kunstbibliotheken, JSTOR und die Seiten der Bibliotheca Hertziana (Rom) bzw. des Getty Institute in Malibu/Los Angeles wegen der vielen sehr hochwertigen digitalen Ausgaben alter Bücher.

Welche Bücher haben Sie und Ihr Forschungsinteresse nachhaltig beeinflusst oder Ihnen neue Perspektiven für Ihre Arbeit eröffnet?

Davon gibt es sehr viele. Zuletzt waren es folgende Bücher: Genvieve Warwick, The Arts of Collecting. Padre Sebastiano Resta and the Market of Drawings in Early Modern Europe, Cambridge 2000; Bruno Latour, Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie, Frankfurt am Main 2008 (erste deutsche Ausgabe), Veronica Biermann, Die Kunst der Abdankung. Die Repräsentationsstrategien der Königin Christina von Schweden, Wien u.a. 2012; Elizabeth Cropper/ Lorenzo Pericolo, Malvasia’s Felsina Pittrice,A critical edition and annotated translation, London/ Turnout 2013.

Welche Arbeiten Ihrer Studierenden haben Sie besonders neugierig gemacht?

Die Master-Arbeit von meiner Hilfskraft Xenia Schramek: „Locos und Enanos. Die Hofnarren und – zwerge von Diego Velazquez“

Welche wissenschaftlichen Studien müssten Ihrer Meinung nach dringend noch geschrieben werden?

Die Frage ist so formuliert als ob wir nur noch wenige wissenschaftliche Studien benötigten. Das Gegenteil ist der Fall. Jede Generation stellt neue Fragen, die zu neuen wissenschaftlichen Studien führen. Auf meinem Gebiet der Kunstgeschichte gibt es unzählige Desiderate. Sehr aktuell ist immer noch die Aufarbeitung der Akteure des Kunsthandels während des Nationalsozialismus’ und in der frühen BRD, wie auch die Rolle der Kunst in globalen Transferprozessen der frühen Neuzeit.
Das nächste Buch, das ich schreiben möchte, ist allerdings sehr viel traditioneller: die Biografie des Kunsttheoretikers und Antiquars Giovan Pietro Bellori (1613-1696).

Welche wissenschaftliche Arbeit hat Sie zuletzt nicht schlafen lassen?

Mein Projekt einer kommentierten zweisprachigen Ausgabe von Giovan Pietro Bellori, „Le vite de’ pittori, scultori e architetti moderni, Rom 1672“ wegen der ausgelaufenen Finanzierung meiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin, obgleich immer noch viel Redaktionsbedarf besteht.

Wie würde ein Roman heißen, den Sie gerne schreiben würden?

Eigentlich liegt es mir sehr fern, einen Roman schreiben zu wollen. Aus meiner Sicht befinden wir uns in einer ähnlichen gesellschaftlichen Umbruchsphase wie Ende des 19. Jahrhunderts, so dass es an der Zeit wäre einen zeitgemäßen Roman à la Marcel Proust zu schreiben, der vielleicht den Titel tragen könnte: „Spuren einer verlorenen Zeit“. Aber manchmal wäre auch ein Campusroman ein willkommener Zeitvertreib.

Hören Sie Musik bei Ihrer wissenschaftlichen Arbeit; wenn ja, welche?

Nein, weil ich mich dann nicht mehr auf meine Arbeit konzentrieren könnte.

Welcher Film hat am ehesten einen Bezug zu Ihrer wissenschaftlichen Arbeit?

Jim Jarmusch, Caravaggio oder aber auch der aktuelle Film: Monuments Men von und mit George Clooney

Wie sieht die Bibliothek Ihrer Träume aus?

Die Bibliothek meiner Träume ist eine Mischung aus der Architektur der gerade eröffneten Bibliotheca Hertziana in Rom (von dem spanischen Architekten Juan Navarro Baldeweg, die Einweihung des Bibliotheksgebäudes war im Januar 2013) im Inneren des alten Palazzo Zuccari in der Via Gregoriana erbaut und dem Service der Bibliothek der National Gallery in Washington D.C. Dies sind allerdings Forschungsbibliotheken, die sich nicht mit Universitätsbibliotheken vergleichen lassen.
Die Universitätsbibliothek meiner Träume hätte einen hohen Etat für die Anschaffung von Print- wie elektronischen Medien und würde Sondersammelgebiete ausweisen, deren Bestände von fachlich ausgewiesenen wissenschaftlichen Bibliothekaren gezielt aufgebaut und gepflegt würden. Zu ihren Beständen zählten ebenso alte wie neue Bücher und elektronische Medien, die auf besonders hochwertigen Bildschirmen abrufbar wären. Sie wäre baulich so beschaffen, dass ein Teil des Präsenzbestandes der Bücher direkt am Regal, ein weiterer Teil in Kompaktregalen zugänglich wäre. In einer anregenden Atmosphäre sollte hier sowohl Platz für stille Leser, als auch Platz für Arbeitsgruppen sein. Für ein Internet Café sollte auch gesorgt sein. Die Bibliothek würde das bauliche Zentrum der geistes- sozial- und theologischen Fachbereiche bilden.