Abstract

Corinna Roeder (LB Oldenburg)

Aussonderung von Printbeständen in Deutschland
Rechtslage, Aussonderungspraxis, Koordinierungsbedarf

Der Vortrag gibt einen Überblick über die aktuelle Rechtslage zur Aussonderung von Bibliotheksgut in Deutschland und beleuchtet anhand statistischer Daten Ausmaß und Schwerpunkte der derzeitigen Aussonderungspraxis in wissenschaftlichen Bibliotheken. Mit wenigen Ausnahmen gibt es in den Bundesländern keine rechtsverbindliche Koordination bei der Aussonderung und keine ausgewiesenen Archiv- bzw. Speicherbibliotheken. Anderseits werden Printbestände in großem Umfang insbesondere in Hochschulbibliotheken ausgesondert. Die Aussonderungsquote liegt aktuell bei rund 50%. Wird die gegenwärtige Aussonderungspraxis fortgesetzt, kann dies weitreichende Auswirkungen auf die flächendeckende Literaturversorgung (Fernleihe), die langfristige Überlieferung von publiziertem Wissen, die Bestandserhaltung (inklusive Magazinbedarf), die Gestalt der Sammlungen und nicht zuletzt die Selbstdefinition und Identität von Bibliotheken insgesamt haben. Der Vortrag will nicht die Notwendigkeit von Aussonderungen in wissenschaftlichen Bibliotheken in Frage stellen, aber dafür sensibilisieren, dass dringender Handlungsbedarf für eine verbindliche Koordination, für einheitlichere Richtlinien und für eine länderübergreifende Strategie zur langfristigen Archivierung einer ausreichenden Anzahl von gedruckten Originalen besteht.

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Kurzbiographie von Corinna Roeder
Corinna Roeder wurde in Konstanz geboren und ist seit 2003 Direktorin der Landesbibliothek Oldenburg. Sie studierte Kunstgeschichte, Mittlere und Neuere Geschichte und Deutsche Philologie in Köln und Florenz. Nach dem Referendariat für den Bibliotheksdienst in Nordrhein-Westfalen war sie zunächst beim WDR in Köln und von 1998 bis 2003 in der Johannes a Lasco Bibliothek Emden tätig.

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