Abstract

Olaf Eigenbrodt (SUB Hamburg) / Robert Zepf (UB Rostock)

Ein gemeinsames Speicherkonzept norddeutscher Bibliotheken: Ein erfolgversprechendes Projekt mit Nachahmungscharakter?

Die Bestände wissenschaftlicher Bibliotheken spiegeln immer auch die Geschichte der Häuser mit ihren Profilen, ihren Schwerpunkten, aber auch den jeweiligen Kontexten wider. Andererseits existiert eine breite Basis wissenschaftlicher Fachliteratur, die sich nahezu identisch in allen großen wissenschaftlichen Bibliotheken abbildet. Ältere Jahrgänge von Fachzeitschriften, anderen fortlaufenden Sammelwerken und Bibliografien bilden dabei große Anteile der selten genutzten wissenschaftlichen Literatur, die mit erheblichem Aufwand in sehr vielen Bibliotheken magaziniert wird. Die vermeintlich zahlreichen Dubletten bergen aber auch die Gefahr, dass ohne weitere Absprachen alle verfügbaren Exemplare verloren gehen, da man sich auf tatsächliche oder vermeintliche Archivierungsbemühungen anderer Bibliotheken verlässt. Eine mögliche Herangehensweise an diese Herausforderung ist es, auf regionaler Ebene zu verbindlichen und abgesicherten Archivierungsabsprachen zu kommen, die den einzelnen Bibliotheken und Hochschulen Sicherheit bei zukünftigen Aussonderungsentscheidungen geben und gleichzeitig gesicherte Letztexemplare sachgerecht bewahren, um sie bei Bedarf unkompliziert verfügbar zu machen. Der regionale Ansatz verspricht dabei einerseits die in einer dichten Wissenschaftslandschaft notwendige Redundanz und andererseits die Umsetzbarkeit verbindlicher Absprachen im föderalen System der Bundesrepublik Deutschland.

Das Projekt Verteilte Speicherbibliothek Nord ist eine Kooperation der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, der Universitätsbibliothek Kiel, der Universitätsbibliothek Rostock und des Medien- und Informationszentrums der Leuphana-Universität Lüneburg. In einem Proof of Concept soll ermittelt werden, unter welchen rechtlichen, technischen und bibliotheksfachlichen Voraussetzungen eine verbindliche verteilte Archivierungskonzeption, zunächst für wissenschaftliche Zeitschriften, umsetzbar ist. Zusätzlich sollen im Rahmen eines Drittmittelprojekts die Datenformate zur Dokumentation archivierungsrelevanter Informationen in den Katalogen auf nationaler Ebene abgeglichen werden, um einen Vorschlag zur Vereinheitlichung zu machen. Damit wäre eine Grundlage für die landesweite Vernetzung und Kooperation der regionalen Projekte geschaffen.


Kurzbiographie von Olaf Eigenbrodt
Olaf Eigenbrodt ist Leiter der Hauptabteilung Benutzungsdienste, Vertreter der Fachaufsicht und Baubeauftragter an der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, Lehrbeauftragter im Bereich Fernstudium am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin sowie an der Bibliotheksakademie Bayern.

Kurzbiographie von Robert Zepf
Robert Zepf ist Direktor der Universitätsbibliothek Rostock, Mitglied in der Verbundleitung des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds und Lehrbeauftragter an der Bibliotheksakademie Bayern.

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