Ein Leuchtturm des Mainzer Musiklebens!
Eine Ausstellung von Studierenden der Musikwissenschaft präsentiert die Mainzer Liedertafel (1831-1968).
Unter dem Titel „Mainz singt. Auf Spurensuche im Archiv der Mainzer Liedertafel“ ist vom 19. Januar bis zum 20. April 2026 in der Schule des Sehens auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität eine Ausstellung über eine Institution zu sehen, die das Mainzer Musikleben weit über ein Jahrhundert hinweg geprägt hat. Gegründet 1831, stieg die Liedertafel gemeinsam mit dem 1836 hinzugekommenen Damen-Gesangverein rasch zu der weit über die Stadtgrenzen hinaus renommiertesten Mainzer Chorvereinigung auf und war über mehrere Jahrzehnte hinweg prominente Mitausrichterin der Mittelrheinischen Musikfeste. Bekannte Komponisten wie Felix Mendelssohn-Bartholdy, Giacomo Meyerbeer oder Paul Hindemith standen mit ihr in engem Austausch oder schrieben sogar Auftragskompositionen für sie. In den Jahren um 1900 wurde die Liedertafel zu einer Vorreiterin der Händel-Renaissance und präsentierte die großen Oratorien des Komponisten in richtungsweisenden Aufführungen. Ihr prachtvoller Konzertsaal in der Großen Bleiche war bekannt als „Die Liedertafel“ und ein Zentrum des Mainzer Kulturbetriebs. Nach der Zerstörung des Gebäudes im Zweiten Weltkrieg ging die Liedertafel über dem Versuch, diese Tradition mit einem neuen Konzertsaal im Eltzer Hof wiederzubeleben, 1968 bankrott, fand aber in der Mainzer Singakademie eine bis heute bestehende Nachfolgerin.
Das umfangreiche Archiv wurde nachfolgend dem Musikwissenschaftlichen Institut der Johannes Gutenberg-Universität zur Verwahrung übergeben und wird von der Universitätsbibliothek betreut. Es umfasst neben dem Notenmaterial auch Korrespondenz, Protokollbücher, Jahresberichte und viele weitere Materialien, die das Vereinsleben und den Konzertbetrieb dokumentieren. Die Archivalien waren Gegenstand einer Lehrveranstaltung unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Pietschmann und Leonie Krempien M.A. im Sommersemester 2025.
Die Ergebnisse werden nun im Rahmen der Ausstellung präsentiert, die wichtige Stationen wie etwa die Gutenbergfeiern oder die Mittelrheinischen Musikfeste näher beleuchtet, aber auch die Auswirkungen der NS-Zeit und die Nachkriegsjahre thematisiert. In einem Rahmenprogramm werden Konzerte und Vorträge noch weitergehende Einblicke in die Geschichte der Liedertafel, ihr musikalisches Repertoire und das Musikleben im Rhein-Main-Gebiet des 19. und 20. Jahrhunderts geben.
Die Vernissage findet am 19. Januar 2026 um 18:30 Uhr im Hörsaal Musikwissenschaft (Philosophicum, Vorgebäude, Jakob Welder-Weg 18, 55128 Mainz) sowie der nahegelegenen Schule des Sehens statt.
Weitere Informationen: https://www.musikwissenschaft.uni-mainz.de
Öffnungszeiten
20. Januar bis 13. Februar und 7. bis 20. April 2026:
Dienstag, Mittwoch, Donnerstag jeweils 09:30 bis 16:30 Uhr
sowie nach Vereinbarung per E-Mail an: anmeldung-musikwissenschaft@uni-mainz.de
Rahmenprogramm
9. Februar 2026, 18:15 Uhr (Hörsaal Musikwissenschaft)
Dr. Ulrike Kienzle: „Bürger machen Musik: Chor, Konzert und Oper zwischen Rhein und Main im 19. Jahrhundert“
15. April.2026, 18.30 Uhr (Hörsaal Musikwissenschaft)
Daniel Selle: „Gleichschaltung: Die Akte Meintzinger im Liedertafel-Archiv. Eine Lesung“
20. April 2026, 18.30 Uhr (Hörsaal Musikwissenschaft)
Männerchöre aus dem Repertoire der Mainzer Liedertafel mit dem Ensemble der Chorakademie am Collegium musicum - Leitung: Prof. Felix Koch